Drei Kiffer/innen erzählen, wieso sie auf CBD umgestiegen sind

 

Viele brauchen das tolle Kraut, um sich in eine andere Dimension zu rauchen und high wie ein Airbus neue Sichtweisen einzunehmen. Für andere ist Kiffen die entspannendste Nebenbeschäftigungen der Welt. Doch wie es so mit Dingen ist, die einem schmecken und gut tun, regen sie uns dazu an, mehr davon zu konsumieren. Der Philosoph und Arzt Paracelcus meinte im 15. Jahrhundert dazu: “Die Dosis macht das Gift.”

Deshalb ist es nicht besonders verwunderlich, dass viele Kiffer*innen im legalen, THC-armen Gras, das seit 2017 schweizweit gekauft werden kann, eine Rettung aus ihrem lethargischen Dasein sehen. Schliesslich ist das Cannabinoid-THC jenes, das euch mental high werden lässt wodurch man teilweise zu einem faulen Phlegmatiker mutiert. Auch wenn ihr leicht paranoid werdet oder sogar Angstzustände kriegt: Blame it on the THC. Cannabidiol, oder kurz CBD, hingegen wirkt körperlich. Es entspannt den Körper, eure Gedanken bleiben dabei jedoch klar. Für Konsument*innen, die der feinen Pflanze nicht abschwören können, es aber satt haben, das Leben eines Klischee-Stoners zu führen, ist CBD-Gras die vermutlich beste Lösung.
 

Nikola 32: Plötzlich sorge ich nicht nur für mich

„Ich kiffe seit meinem 17. Lebensjahr“ erzählt uns der frischgebackene Papa. „Ich konnte sehr gut mit THC funktionieren – ich ging regelmässig zur Arbeit, konnte meine Rechnungen zahlen und ging mindestens einmal pro Jahr mit meinen Freunden in den Urlaub. Doch selbst da hatten wir immer was zum Rauchen dabei, weil eine Woche Sonne, Strand und Meer noch so geil sein konnten – ohne Gras wars schlicht und einfach ein Entzug.“ Nikola konnte sich ein Leben ohne Gras nicht vorstellen, im Gegenteil: Joints gehörten zu seiner alltäglichen Ausstattung und wurden vor, während und nach der Arbeit gedreht. „Eigentlich war ich ständig stoned. Es war schon mein Normalzustand und ich sah keinen Grund, damit aufzuhören. Erst als meine Tochter dieses Jahr zur Welt kam und mir meine Frau aufzeigte, wie wichtig es war, nicht immer benebelt zu sein, startete ich meine ersten Versuche, das Kiffen zu lassen. Das CBD-Gras hat es mir ermöglicht, während den ersten zwei Wochen ohne normales Gras auszukommen. Trotzdem war ich leichter reizbar, konnte teilweise nicht gut einschlafen und sah mich mit Gedanken und Sorgen konfrontiert, die ich früher sonst nur in „nüchternen“ Momenten hatte.“ Dies habe sich aber schnell eingependelt. Vor allem halfen ihm die Gespräche mit anderen, nennen wir sie “Aussteiger”, die ihm versicherten, dass dies normal sei, da ja trotz allem das THC fehle. „Bildlich gesprochen, könnte ich sagen, dass mein Hirn sich wie ein neu gestarteter Motor an eine neue Art von Diesel gewöhnen musste.“ Das war vor über 4 Monaten. Unterschiede zu früher merke er vor allem in seiner Produktivität. Er schiebe weniger auf als früher: „Obwohl auch früher alles immer klappte – alles nicht auf den letzten Drücker zu erledigen, hat schon was Schönes. Ich fühle mich ausgeglichener und das ist mir, vor allem wenn es um meine kleine Tochter geht, das Wichtigste an meiner Umstellung.“

 

Steve 28: Ich kann wieder lernen

„Bevor ich aus Versehen das THC-haltige Gras verteufle: ICH LIEBE ES ZU KIFFEN.“ Und damit meint der nicht mehr so junge Student das klassische Kiffen: Zuhause rumliegen, Mischung in der Kokosschale zubereiten, Joint drehen und indoor rauchen, während auf Netflix die 10. Staffel von Family Guy schon zum dritten Mal die Runde macht und er mit Freunden tiefgründige Diskussionen über die gesteuerte Wirtschaftskrise führt. Doch selbst einem begeisterten Fan wird es manchmal zu viel: „Ich liebte meine bekiffte Gedankenwelt. Das Problem ist nur, wenn man ständig bekifft ist, verlässt man diese Welt gar nicht mehr. Und das hat mich angekotzt. Ich konnte nicht mehr mit, aber auch nicht mehr ohne Gras. Das hatte auch starke Auswirkungen auf mein Studium. Ich wurde zwar nicht dümmer, aber langsamer, weshalb ich immer länger brauchte, um mich auf eine Prüfung vorzubereiten als meine Mitstudenten. Weil ich aber immer alles aufgeschoben hatte, klappte das mit der Vorbereitung dann auch nicht mehr wirklich  – ein Teufelskreis.“ Steve konnte seine Sucht nicht überwinden, hatte aber gleichzeitig keine Lust ständig stoned zu sein. Für ihn war der Wechsel zu CBD-Gras eine gravierende Veränderung. „Ich will nicht überdramatisch klingen, aber sind wir mal ehrlich: Das CBD hat meine Lebensqualität enorm gesteigert. Ich kiffe immer noch, erlebe aber ein völlig anderes High als vorher: Ich rauche nicht mehr einen halben Joint am morgen und lege mich wieder ins Bett. Ich rauche diesen halben Joint und schmeiss mich an die Arbeit – egal ob ich den Haushalt machen oder an meiner Bachelorarbeit schreiben muss.“ Trotzdem denkt Steve nicht daran, seinem Lieblingskraut komplett abzuschwören. „Ich rauche THC hin und wieder im Ausgang. So ist es wieder etwas Besonderes und ich kann es geniessen, völlig high zu sein. Manchmal habe ich sogar wieder richtige Lachflashs!“

 

Vanessa 23: Ich sehe medizinische Vorteile

„Ich selber habe immer nur sporadisch gekifft und hatte nur mässig Mühe damit, aufzuhören.“ Die junge Bürokauffrau hat, wie sie selber sagt, früh genug aufgehört, sich täglich vor der Schule einen Joint reinzuziehen, so wie es ihre Mitschüler*innen damals taten. Doch sie fand den Weg zurück zu Mary-Jane:. „Ich habe seit ca. einem Jahr unglaublich starke Rückenschmerzen. Deshalb besuche ich regelmässig einen Chiropraktiker und gehe in die Physiotherapie. Als der ganze Hype um das CBD anfing und gleich gegenüber meiner alten Wohnung auch noch ein Laden eröffnete, ging ich aus Neugier mal rein und wurde mit Informationen über die medizinischen Vorteile regelrecht überhäuft.“ Seitdem raucht Vanessa jeden Abend einen CBD-Joint und hat gleich noch ihre ganze Familie damit angesteckt. „Meine Eltern bekommen beide das Öl verabreicht – meine Mutter konnte so ihre Stimmungsschwankungen in den Griff kriegen. Mein Vater nimmt es präventiv, da er vor einigen Jahren einen Tumor hatte. Ich will jetzt hier nicht behaupten, dass CBD ein absolutes Wundermittel ist, aber so lange es wirkt, konsumiere ich lieber das, als mir Chemie gegen meine Rückenschmerzen einzuwerfen. Ausserdem rauche ich im Ausgang gerne mal einen Joint. Wenns einer ist, der mit normalen Gras gerollt ist, torkle ich sofort in der Gegend rum. So gehe ich sicher, dass ich mich nicht völlig abschiesse.”

 
Kevin Oberholzer