Review: Die, die mit dem Affen tanzt

 
 Quelle: Pez - The Rave Story, (2016)

Quelle: Pez - The Rave Story, (2016)

Eine Raverin erzählt von ihrem ersten Abend im SpaceMonki

Als eingefleischte Techno-Tanzfee ist es klar, dass ich den Laden so oder so früher oder später besuchen musste. Darum entschied ich: Lieber früher als später. Als man mich fragte, ob ich nicht gleich darüber schreiben wolle, war ich begeistert. Leider lasse ich mich vom ersten Moment an so gehen, dass meine Professionalität gemeinsam mit meiner Aussprache in einen tiefen Abgrund fällt und erst einige Zeit später (nämlich als ich diese Zeilen schreibe, um genau zu sein) nach Wasser schreiend wieder aus ihrem Loch kriecht.

Doch eins nach dem anderen: Ich betrete nach kurzer Wartezeit den Club und bin erstmal Baff, welch grandioses Make-Over die Location erhalten hat. Ich meine, vorhin war hier das Alice Choo (No further comments needed). Etwas hell scheint es mir, aber easy, die Jungs haben schliesslich erst aufgemacht. Sie haben also noch Zeit, die Feedbacks der Gäste umzusetzen. Viel wichtiger ist mir, dass von der ersten Sekunde an die Musik astrein ist.

Spätestens als ich mir im Raucherbereich eine Zigarette anzünden will und die Melodie mich dermassen packt, dass ich meine Hände in die Luft strecke, fühle ich dieses besondere Gefühl, das ich nur von ganz, ganz guten Raves kenne. Dieses „Alles ist in bester Ordnung“-Ding, dass dich dazu bewegt, dich auf die Zehenspitzen zu stellen und deine Arme noch ein bisschen weiter nach oben zu strecken. Und noch ein bisschen.

Du schaust zu deinen Händen, erblickst  eine gemusterte Oberfläche und dir schiesst der kurze, nüchterne Gedanke durch den Kopf: „Läck, haben die sich Mühe gegeben mit der Gestaltung! Selbst die Decke gibt was her!“ Ich und meine Liebe zum Detail eben. Dieser Gedanke wird dicht gefolgt von der Erkenntnis, dass man doch ein bisschen zu tief ins Glas geschaut hat. Aber easy, ist ja Wochenende. Und Feiertage. Und sowieso hat diese Party um 16.00 am Nachmittag angefangen, also alles bestens. Weitertrinken.

In der Zwischenzeit ist mir eine alte Bekannte über den Weg gelaufen, als ich wieder oben im Space Jungle angekommen bin. „Alti, wie gut legt Callipari auf? WIE GUT?!“ Ziemlich gut, denke ich mir, ohne dabei eine riesige Menge an Glückshormonen auszuschütten wie meine alte Bekannte mit verdächtig aktiver Kiefermuskulatur.

Ich umarme meine Bekannte, gebe ihr ein bisschen Liebe, welche sie dankend annimmt. Sie lallt mir noch ins Ohr was für eine ‚coole Sau’ ich doch bin und dass sie sich nicht erklären könne, wieso ich noch single bin (kann ich übrigens auch nicht, aber andere Baustelle). Der harte Bass, der in diesem Moment aus den riesigen Lautsprechern ertönt, überrollt mich beinahe und gibt mir Gänsehaut bis in die Fusssohlen und wieder zurück. Nach einem grandiosen Set des von meiner Bekannten erwähnten DJs Gianni Callipari, ist es Zeit für einen weiteren Drink, denkt sich mein beschwipstes Ich, dass Schluck für Schluck Überhand nimmt und mich später noch zu der einen oder anderen Dummheit verführen wird. Ist aber OK, denn: Feiertage und Ferien – ihr wisst schon.

Die Nacht ist weiterhin gespickt mit unglaublich guten Sets und immer wieder wechselnden Saufkumpanen, tollen (und teilweise unglaublich sinnlosen) Gesprächen und vorgedrehten Blunts im hauseigenen Coffeeshop. Der Rest der Erinnerungen verschwindet Hand in Hand mit den ein paar Hirnzellen, die wegen des gelungenen Abends vermutlich das Zeitliche segneten.

Nun fragt sich der eine oder andere, ob ich seither wieder im Monki war. War ich. Hauptsächlich wegen der hervorragenden Musik. Diesem Aspekt stimmen alle meine Clubber-Bekanntschaften zu: Die Line-Ups waren und sind bisher wahre Schätze. Aber auch sonst ist im SpaceMonki Vieles so, wie es in einem guten Technoclub sein sollte: Genügend Platz, ein Raucher-Floor, keine lange Anstehzeiten (und dabei trotzdem genügend Besucher*innen) und meistens eine tolle Stimmung.

 
Kevin Oberholzer