Die Leiden des jungen Ravers

 

Wir alle kennen sie (manche mehr, manche weniger), lieben tun wir sie aber nur, wenn sie jemand anderem passieren: Fails im Ausgang. Sich übergebende Freund*innen, betrunken gestohlene Strassenschilder oder aus einer Schnapsidee entstandene Verletzungen jeglicher Art stehen bei einem guten Rave schon fast an der Tagesordnung.

Ehrlich gesagt, sind es doch genau diese peinlichen Geschichten, welche die verkaterten Tage nach der Party etwas aufheitern und überhaupt ertragbar machen.

Einige dieser Geschichten sind richtig gut. So gut, dass wir sie euch nicht vorenthalten möchten. Und so gut, dass man sich schnell fragt, ob sie tatsächlich so geschehen sind. Wir werden hier jetzt aber nicht einen auf Jonathan Franks machen und euch wie in „X Factor-Das Unfassbare“ gruselige Halbwahrheiten auftischen. Die folgenden Anekdoten beruhen auf den Erzählungen der Protagonisten und sind wahr (auch wenn sie sich wünschten, dass es nicht so wäre).


Maria (28, Basel): How Low Can You Go?

Mein erbärmliches Leben in einem Party-Blog? Na, dann los! Also, ich war mit diesem Typen vom vorigen Abend an einer Hip-Hop-Party, an der mein bester Freund auflegte. Wir mussten unglaublich viel getrunken haben, weil das nächste, woran ich mich erinnere ist, dass ich hinter dem DJ-Pult wie eine Stripperin aus dem Videospiel GTA tanzte. Dass mir mein Date aus der Menge dabei entsetzt zuschaute, war hier nicht einmal das Peinlichste. Mein DJ-Freund wollte mir, besorgt um mein Wohlergehen, meinen Drink wegnehmen, woraufhin ein Gerangel um das Glas anfing. Natürlich wurde mir deswegen viel zu schnell schlecht und ich kämpfte mich durch die Menge bis zum Klo. In der freien Kabine angekommen, war mir schon so übel, dass sich mein Kopf wie ein bis zum Rand gefüllter Zementmischer anfühlte. Viel zu schwer also, um ihn zu halten. Ich knallte mit voller Wucht auf die verpisste Kloschüssel und übergab mich. Zur abschliessenden Krönung dröhnte aus dem Club Ludacris’ Song mit dem passenden Refrain „How Low Can You Go, How Low Can You Go?“. In meinem Fall: Sehr low. Mir ging es aber gar nicht mal so schlecht, ich musste unglaublich über mich selbst lachen. Was mit meinem Date an dem Abend noch passierte, weiss ich trotzdem bis heute nicht.


Christoph (22, St. Gallen): Vom Winde verweht

Mein peinlichster Moment im Ausgang war an irgendeinem Feiertag, an dem meine Freundin und ich uns entschieden, nach Zürich feiern zu gehen. Schliesslich haben wir den Nachmittag bei ihren Grosseltern verbracht und wollten uns dafür belohnen. Wir machten jedoch den Fehler, ein wenig planlos unseren Ravertrip nach Zürich zu starten. Dieser endete damit, dass wir von einer ellenlangen Schlange zur nächsten wanderten, bis wir in einem coolen Club mit semi-cooler Musik landeten. Das war uns dann aber irgendwie egal, der Rave war schon im Gange und wir schon ein wenig high auf der Tanzfläche. Kurze Zeit später spürte ich diese starken Bauchkrämpfe. Da bahnte sich etwas an, dachte ich mir und bevor ich weiterdenken konnte, liess ich diesen abartig heftigen Furz ab. In meiner Erinnerung war er riesig. Ich fühlte Erleichterung, dicht gefolgt von leichter Panik. Noch bevor ich etwas sagen konnte, fragte mich meine Freundin mit einem leicht vorwurfsvollen Lächeln ob der Gestank von mir käme, woraufhin ich grinsen musste. Genau in dem Moment, als sie sowas wie „boaah, Schatz, im Ärnscht jetz?!“ schrie, spielte der DJ den wohl schlechtesten Übergang aller Zeiten, weshalb der Lärmpegel auf dem ganzen Floor drastisch abfiel. Alle Anwesenden konnten meine Freundin laut und deutlich hören. Und mich riechen.


Salar (27, Zürich): “Ich kenne den Veranstalter!”

Meine Geschichte beginnt mit dem Kater danach. Der war nicht nur der grösste meines Lebens, sondern beinhaltete auch viele, schmerzende Brandwunden in meinem Mund. Peu-en-peu konnte ich schliesslich den Abend rekonstruieren und erinnerte mich kurze Zeit später an fast jedes Detail: Ich war im Ausgang ohne vorher etwas gegessen zu haben. “Das werde ich im Verlauf des Abends irgendwo schon noch machen”, dachte ich mir. Je später der Abend, desto feuchtfröhlicher wurde es und spätestens als der Jägermeister ins Spiel kam, bereute ich, noch immer nichts gegessen zu haben. Doch dafür war es zu spät. Ich weiss noch, wie man mich sturzbetrunken ins Taxi steckte und wie ich kurz darauf den Fahrer überredete, mich in einen Club zu fahren, in dem ein Freund von mir Geburtstag feierte. Dort angekommen, wollte mich niemand reinlassen. „Wisst ihr eigentlich wer ich bin? Ich kenne den Veranstalter!“ Das war nicht einmal gelogen, weshalb der Veranstalter wenige Augenblicke später vor mir stand und mich in sein Büro einlud, damit ich draussen keinen peinlichen Krawall mehr machte. Er machte mir einen starken Kaffee, den ich in Jägermeister-Manier exte. Daher stammte wohl auch meine Brandwunden im Mund. Der Abend endete damit, dass ich in die Lounge meines Freundes wortwörtlich hereinfiel. Natürlich riss ich jedes einzelne Glas und jede Flasche mit mir auf den Boden runter. Aus mir unerfindlichen Gründen kam an mir – ausser meiner Zunge – nichts weiter zu Schaden.


Sarah (28, Zürich): Sarah vs. die Hose

Mein peinlichster Moment beim Feiern hatte nicht primär etwas mit meinem Alkoholpegel zu tun – obwohl dieser sicherlich die ganze Situation negativ beeinflusst hat. Ich trug am besagten Abend eine Hose, die aus meinem  Kleiderschrank damals kaum wegzudenken war. Sie wurde schon so oft über meine Beine gestreift, dass ich den kaputten Reisverschluss bereits selber reparieren musste. Somit war immer hohe Vorsicht beim An- und Ausziehen geboten.

Als mir nach einigen (und damit meine ich vielen) Drinks meine Blase klar zu verstehen gab, das ich dringend die nächste Toilette aufsuchen musste, quetschte ich mich durch die Menschenmasse. Ich trampelte in eine Kabine, riss mit voller Wucht den Reisverschluss auf (hier kommt der Einfluss des Alkohols ins Spiel) und merkte voller Entsetzen, was ich angerichtet hatte: Der Reisverschluss war hin. Ich versuchte also – wieder einmal – meine Hose zu flicken und befestigte sie schliesslich irgendwie an meiner Strumpfhose. Aus welchem Grund auch immer empfand ich das als die beste Lösung für mein Problem.

Den Rest des Abends verbrachte ich dann damit, im 5-Minutentakt meine Hose hinauf zu ziehen. Um es unauffällig zu machen, baute ich das Hinaufziehen in meine Dancemoves ein.

 

 

 



 

 
Kevin Oberholzer