Moscow Mule - wie der Wodka vom Bordstein zur Skyline kam

 

Die Geschichte des heute wohl beliebtesten alkoholischen Getränks in Zürich (gut, zweitbeliebtesten, der Hype um Prosecco auf Eis hält immer noch an) beginnt wie jede gute Story mit zwei verzweifelten Protagonisten und ganz viel Alkohol. Ganz viel Wodka, um genauer zu sein. Und das wär’s dann auch schon mit dem russischen Beitrag zu dieser Erfolgsgeschichte, denn abgesehen vom Namen und der Hauptzutat, hat der im Kupferbecher servierte Cocktail freilich wenig mit dem ehemaligen Zarenreich am Hut.

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Die beiden Amerikaner Rudolph Kunett (seiner Zeit Präsident eines Spirituosen Distributors) und John „Jack“ Morgan (Eigentümer der Cock’n’Bull Taverne) verbringen im Jahr 1941 einen feuchtfröhlichen Abend miteinander und klagen über ihre ausbleibenden Erfolge. Kunett versucht zu dieser Zeit, Smirnoff Wodka der breiten Amerikanischen Masse schmackhaft zu machen – erfolglos, wohlgemerkt. Für viele zu stark, und für jene, die es mit der Spirituose aufnehmen könnten, ist das Getränk aus dem unsympathischen Osten einfach suspekt. John Morgan sitzt ebenfalls erfolglos auf unzähligen Kisten seiner neuesten Kreation, dem Ginger Beer, welches aus dem dazumals exotischen Ingwer und etwas Zucker besteht. Nun wissen wir zwar alle, dass die seltensten betrunkenen Einfälle guter Natur sind, doch tatsächlich schien sich hier etwas Vielversprechendes anzubahnen. Die beiden Schnapsnasen mixten nämlich den Wodka und das Ginger Beer und verfeinerten es mit einem Schuss Limettensaft. Der Moscow Mule war geboren. Als erfrischend und süss wurde er von nun an beworben und fand schnell viele Fans. Der Cocktail wurde kurz nach seiner Erfindung der meistgetrunkene in L.A. und gehört seitdem zur Drinks-Elite. Der Wodka durchlebte den Amerikanischen Traum und genoss plötzlich grosse Beliebtheit in allen sozialen Schichten der Staaten. Heute ist die russische Spirituose aus den Bars kaum wegzudenken und wird neben Whiskey weltweit am meisten konsumiert.

Nebst der Tatsache, dass sie einen der einfachsten und zugleich leckersten Cocktails erfunden haben, finden wir, dass Kunett und Morgan auch einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung geleistet haben. Schliesslich heisst es ja, “Wodka connecting people” und daher ist anzunehmen, dass ihr Erfrischungsgetränk einen - wenn auch minimalen - Anteil an einer friedlicheren und verständnisvolleren Welt hatte. So oder so sagen wir: Thank you Mister Morgen, Spasiba Mister Kunett, Cheers und Na zdorov’ye!

 
Kevin Oberholzer